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Seyhoun Gallery 9007 Melrose Ave West Hollywood, CA 90069 (310) 858-5984

Fine Art Paparazzi Photographs
Featuring the works of Henry Flores, Brad Elterman, Mr. Nunez, Zavar “Picasso” Manokian, Marcos & Hector Vasquez and Justin Campbell
February 16-21, 2008
Opening Reception Saturday, February 16, 2008 6- 9 PM
Gallery Hours Tuesday- Saturday 12- 5PM And by Appointment
For more information please contact gallery@buzzfoto.com
F ine art printing provided by Media Street, Deer Park, New York. Framing: Universal Framing, Venice, CA Paris Hilton cover photograph by Mr. Nunez/ BuzzFoto.com

PAPARAZZI-KUNST: KRIEG DER LINSEN

Drinnen schob Ross ihren Einkaufswagen durch die Gänge und packte ihn voll: Kräutertee, Tiefkühlpizza, Kartoffelchips, Käsecracker. Dann, an einer Auslage mit Schokochipskeksen, baute sich Flores vor ihr auf und drückte ab. Ross schaute ihn direkt an und sagte mit sauertöpfischem Lächeln: “Ich hoffe, du hast meine gute Seite erwischt.” Dann setzte sie ihr Shopping fort.

Flores erzählt die Geschichte, die sich vorigen Mai ereignete, mit einer Mischung aus Stolz und Zynismus. “Wir sind Kopfjäger”, sagt er. “Kopfjäger, die wie Geheimagenten trainiert sind.” Bescheidenheit ist nicht sein Ding. Warum auch: Der kleine, stämmige Latino mit dem Bubigesicht gilt als einer der erfolgreichsten Paparazzi der Welt.

Eine zwiespältige Ehre. Viele halten Paparazzi für den Abschaum Hollywoods: Parasiten, Stalker, skrupellose Schurken, die vor nichts zurückschrecken auf der Jagd nach dem lukrativsten Bild. Das Business, das einst als romantische Vision in Fellinis “La Dolce Vita” begann, mit einem Fotografen namens Paparazzo, gehört längst zu den dunklen Seiten des US-Filmgeschäfts.

Marketing der Marke “Ich”

Flores, 33, sieht das natürlich anders. Er liebt seinen Job, er sieht sich als Künstler. Seine Augen glänzen, wenn er davon spricht, wie er mit Fotos “Geschichten erzählt”. Für ihn sei die Privatsphäre dabei heilig – doch ende die für Prominente nun mal, sobald sie vor die Tür träten: “In der Öffentlichkeit sind sie Freiwild.” Er achte außerdem strikt darauf, “nie das Gesetz zu brechen”.

Besagtes Supermarktfoto von Diana Ross hing diese Woche vergrößert in der schicken Seyhoun Gallery an der Melrose Avenue in West Hollywood. Gerahmt, nummeriert und handsigniert, war es Teil der Ausstellung “Paparazzi As An Art Form” – der ersten Ausstellung überhaupt, die versuchte, den kontroversen Knochenjob zu etwas Höherem zu stilisieren.

Kopfjäger, Künstler – oder Komplizen? Eine alte Frage, die in diesen Tagen des täglich bizarrer werdenden Starkults in Los Angeles neue Brisanz gewonnen hat. Britney, Lindsay, Paris: Diese püppchenhaften Projektionsflächen für unsere Gefühlswelten scheinen ihre Possen ja überhaupt nur noch für die Fotografenpulks zu veranstalten – inszeniertes Drama als Marketing der Marke “Ich”.

Gangs of West Hollywood

“Die meisten”, sagt Henry Flores, “wollen fotografiert werden.” Und er erfüllt dieses Begehren natürlich gerne – schließlich kann ein “world exclusive” sechsstellige Summen bringen.

Doch die tägliche VIP-Safari hat inzwischen so groteske Formen angenommen, dass sich selbst einige der erfolgreichsten Paparazzi vom eigenen Geschäft losgesagt haben. Der Top-Fotograf Nick Stern etwa schmiss seinen Job bei der VIP-Agentur Splash, weil ihm das Gerempel um Britney Spears, Hollywoods Skandalobjekt du jour, zu gefährlich geworden war – für Spears, aber auch für ihn selbst.

Stern berichtete von “Schlägereien, zerstochenen Autoreifen, Parkplatzblockaden”. Er fürchte Spears Tod, “entweder direkt oder indirekt”, sagte er dem TV-Sender CBS. Und er fürchtet um die eigene Sicherheit: Aus Angst vor Repressalien ließ er sich im Fernsehen nur als Schattenbild zeigen interviewen.

MEHR ÜBER…

Paparazzi Hollywood Stars Fotografie Britney Spears zu SPIEGEL WISSEN Andere munkeln, die immer größeren Paparazzi-Meuten würden von brutalen Straßengangs unterwandert, die sich das beste Bild mit nackter Gewalt erkämpften: Rivalisierende Agenturen hätten Mitglieder der “Crips” und “Bloods”, der berüchtigten Gangs von Los Angeles, mit Kameras “bewaffnet”.

Billiger als ein Model-Shoot

Die Sache mit den Gangs hat auch Brad Elterman gehört, mit 51 einer der Veteranen im Business. Auch wenn er es nicht beweisen kann: “Es würde mich nicht wundern”, sagt er. “Dies ist alles viel zu gefährlich geworden. Die meisten dieser Typen sind viel zu jung, sie sind extrem rücksichtslos, extrem unprofessionell.”

Elterman – ein grauhaariger Wuschelkopf, der gemeinsam mit Flores die Agentur Buzz besitzt – verbietet es seinen Fotografen mittlerweile per Vertrag, sich an der Jagd auf Spears zu beteiligen. “Die fährt über eine gelbe Ampel, du über eine rote Ampel, und schon knallt’s.”

Nach jahrelangen Anfeindungen von außen ringt die Branche nun also mit sich selbst. Profession oder Perversion? Die Konkurrenz ist unerträglich geworden, nicht zuletzt durchs Internet, das jeden Stöpsel zum Star machen kann. Und mit der Banalisierung des Glamours fielen auch bei den Paparazzi die Schranken der eigenen Ethik: “Willkommen auf der dunklen Seite”, begrüßte neulich ein Fotograf einen Novizen.

Vorbei die Zeiten, da Paparazzi sich als Chronisten einer Ära sahen. “Das ikonische Bild, an das man sich erinnert, ist heute nicht mehr möglich”, klagt Elterman. Stattdessen würden die meisten ihre Zeit nur noch damit verbringen, Starlets beim Shopping zu fotografieren, in Kleidern, die ihnen die Modeschöpfer eigens dazu bereitstellten, um die Kosten für einen Model-Shoot zu sparen.

München, Tokio, Rio

Eines dieser “ikonischen Bilder” von früher, denen Elterman nachtrauert, stammt von ihm selbst. “Das Maßband, 1975″, so nennt er die über 30 Jahre alte Schwarzweiß-Aufnahme.

Elterman war damals gerade 19, sein Mentor der Paparazzi-Pionier Ron Galella. Der war berühmt dafür, dass ihm Marlon Brando einmal einen Kinnhaken versetzte (woraufhin Galella nur noch im Helm zu Brando-Terminen erschien). Brigitte Bardot ließ ihn mit einem Wasserschlauch nass spritzen. Und Jackie Onassis hatte eine gerichtliche Verfügung erwirkt, wonach Galella sich mindestens 25 Fuß (7,6 Meter) von ihr entfernt halten müsse.

1975 kam Onassis zu einem Konzert nach Los Angeles. Galella und Elterman warteten auf sie. Plötzlich zog Galella ein Maßband hervor, auf dem geschrieben stand: “Ron, halte dich fern, 25 Fuß.” Als Onassis in ihren Wagen stieg, zog Galella grinsend das Maßband hervor – und Elterman drückte ab. Das Bild wurde “einer meiner wertvollsten Exklusiv-Shots”.

Für Elterman bekräftigte sich so eine Karriere, in die er durch Zufall gestolpert war. 1974 veröffentlichte er sein erstes Foto: Bob Dylan, mit einer geliehenen Kamera geschossen. Er brach die Schule ab und begann, Pop-, Rock- und Punk-Stars zu folgen, “von München nach Tokio nach Rio”: Rod Stewart, David Bowie, Kiss, Queen, Blondie, Abba, Boney M, Michael Jackson. Bis heute gilt er als “Inbegriff des Hollywood-Fotografen”.

“Das ist kein Trash”

So wie ihn einst Galella unter die Fittiche nahm, fördert Elterman heute Flores. Der gebürtige Honduraner war eigentlich Ingenieur, verlor dann aber seinen Job und landete vor acht Jahren ebenfalls durch Zufall in der Branche. Gemeinsam gründeten sie 2006 die Agentur Buzz. Und gemeinsam versuchen sie nun, an die Chronistentradition von früher anzuknüpfen.

Denn anders als viele Konkurrenten sehen sie sich als legitime Fotojournalisten – und die Ausstellung in der Seyhoun Gallery, für die sie selbst aus ihrem Archiv von 70.000 Promi-Fotos 26 Aufnahmen ausgewählt hatten, offenbarte einen noch höheren Anspruch.

Eva Longoria (“Desperate Housewives”) mit übergroßer Vuitton-Tüte. Brad Pitt, schmollend im Auto neben Angelina Jolie. Paris Hilton mit Leopardenbadeanzug, Surfbrett und Chihuahua. “Spider-Man”-Star Kirsten Dunst, die Hand zur Abwehr ausgestreckt: “Das ist kein Trash”, sagt Galeriechefin Maryam Seyhoun. “Das ist Kunst.”

Kunst – und eben Knochenarbeit. Stundenlang patrouilliert Flores “immer die selben zwölf Straßenblocks” in West Hollywood und Beverly Hills. Melrose Avenue, Robertson Boulevard, Rodeo Drive, Sunset Boulevard: “Wer sich fotografieren lassen will, kommt hierher.”

Und manchmal, da reden sie auch mit ihm. “Ich kenne alle Stars”, prahlt Flores. Ellen Pompeo aus der populären TV-Serie “Grey’s Anatomy” habe ihn sogar schon mal zum Essen eingeladen. Angenommen habe er nicht: So weit gehe selbst er im Krieg der Linsen nicht.

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